Aktuelles

 

Flucht im Kopf

 

Franziska Augstein veröffentlichet am 05.01.2015 einen Artikel mit dem Titel "Flucht im Kopf" in der Süddeutschen Zeitung. In diesem Artikel liefert Sie einen Überblick über die Landschaft der Gefangenenbibliotheken in Deutschland. Den Artikel finden Sie zum Down-Load unter dem folgenden Link: 

"Flucht im Kopf"

© Süddeutsche Zeitung Gmbh; München. Mit freundlicher Genehmigung von http://www.sz-content.de (Süddeutsche Zeitung Content).


 

Zum Tod von Marga Spiegel

 

Marga Spiegel (* 21.06.1912 in Oberaula als Marga Rothschild) ist am 11.03.2014 in Münster gestorben. 2010 hat sie mit Gefangenen in der JVA Münster den Film "Unter Bauern" angesehen und mit ihnen über ihre Erfahrungen u.a. mit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und Rettung durch Bauern im Münsterland gesprochen. Seither hat sie sich als Mitglied mit den Zielen unseres Vereins solidarisiert. 2012 fand die Mitgliederversammlung im Jahr Ihres 100. Geburtstags in der Jüdischen Gemeinde Münster statt; Günter Kunert verfasste einen kurzen würdigenden Text zu Marga Spiegel. 2013 trug sie zum Fachbuch unseres Vereins über Gefangenenbüchereien folgendes Schüsselwort bei:

 

ZUFRIEDENHEIT

"Versöhnt mit gestern / offen für morgen / heute in Ruhe / da sein." (G. Peschers)
"Als 1912 gebürtige Jüdin in Deutschland habe ich mindestens vier Leben gelebt. So mit der Vergangenheit versöhnt 100 Lebensjahre erinnern zu dürfen und offen für Neues zu bleiben, erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit – dem Schlüssel zu meinem Leben in Fülle."
Marga Spiegel, 101 Jahre, Münster

 

Wir vermissen Marga Spiegel und halten sie in dankbarer Erinnerung.

 

Wir gratulieren Ehrenmitglied Günter Kunert


Günter Kunert (geb. 6.3.1929) vollendete sein 85. Lebensjahr. Wir gratulieren ihm als Ehrenmitglied unseres Vereins ganz herzlich!
Sein Grußwort zu unserem Fachbuch "Bücher öffnen Welten" über Gefangenenbüchereien ist wie eine literarische Kurzbiographie.
Zum Traum vom Bücherbaum auf der Gefängnismauer hat er eine Radierung mit einem Text beigetragen.
Im NDR-Radio sind interessante Beiträge zu Günter Kunert anlässlich seines Geburtstags zu hören: NDR-Beiträge zu Günter Kunert.


Mehr lesen - mehr Chancen

 

Ob eine Idee zündet, merkt man erst, wenn das Feuer brennt. Die Idee, einen Förderverein für Gefangenenbüchereien zu gründen, zündete Dezember 2006. Seither trägt der Verein „sein Feuer“ von Münster aus bundesweit und darüber hinaus in die Welt: die persönlichen Weiterentwicklungschancen von Gefangenen durch ein besseres Medienangebot zu erhöhen. Die Neugestaltung mehrerer Gefangenenbibliotheken und der intensive Austausch mit Regierungs- und ehrenamtlichen Organisationen über diese spezielle Form der Gefangenenförderung in Deutschland sowie Argentinien, Brasilien, Italien, Israel und Palästina sind nur einige Beispiele für die Unterstützungsarbeit des Vereins, der „Bücher öffnen Welten“ auf seine Fahnen geschrieben hat.

 

Mitgliederzahlen gestiegen

 

Die Mitgliederzahl wuchs von 24 Gründungsmitgliedern Dezember 2006 auf 102 Ende 2013.  Darunter sind neben vielen anderen die Autoren Stan Nadolny („Die Entdeckung der Langsamkeit“) und Bernhard Schlink („Der Vorleser“), die ehemalige NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter, der Gefängnisarzt im richtigen Leben wie im Kölner Fernseh-Tatort Jo Bausch sowie als ältestes Mitglied Marga Spiegel (geb. 1912, als Jüdin vor Nazis versteckt wie dokumentiert im Film "Unter Bauern").

 

Neue Vorstandsmitglieder

 

Prof. Dr. Julia Bolles-Wilson vom Münsteraner Architekturbüro Bolles+Wilson engagiert sich ebenfalls im Förderverein. Sie und Sebastian Zellmer (Rechtsanwalt) wurden 2012 bei der Mitgliederversammlung neu in den Vorstand gewählt. Mit Studenten der muenster school of architecture führte sie zwei Seminare zur Gestal¬tung von Gefangenenbüchereien durch, aus dem zahlreiche Entwürfe für Justizvollzugsanstalten in NRW hervorgingen, die jetzt z.T. verwirklicht werden. Bolles+Wilson haben nicht nur die Stadtbücherei Münster konzipiert, sondern neben zahlreichen großen Bibliotheken in Europa auch die Gefangenenbücherei der JVA Münster, die 2007 mit dem Deutschen Bibliothekspreis als „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

 

Verbesserungen auch weltweit

 

Hierzu hat der Verein mit beigetragen. „Das war eine großartige Werbung für uns“, sagt Vereinsvorsitzender Gerhard Peschers von der Fachstelle für Gefangenenbüchereiwesen. Der Preis hat ihn durch Vermittlung des Goethe-Instituts von Palästina und Israel sowie Italien bis nach Argentinien und Brasilien gebracht: „In Ramallah wurde eine Initiative geschaffen, Medienangebote für inhaftierte Palästinenser in Israelischen Gefängnissen zu verbessern; in den Provinzen Cordoba und Rio de Janeiro entstanden Initiativen zur Verbesserung der Gefangenenbüchereien, in Sao Paulo wurde das Regalsystem der Bücherei in dem besuchten Frauengefängnis erneuert.

 

Im Widerspruch zu Europäischen Strafvollzugsgrundsätzen

 

Wesentlich ist dem Verein, sich in Deutschland für angemessene Medienangebote für Menschen in Haft zu engagieren. Denn dass die Gefangenen Zugang zu Medien haben, ist derzeit nicht in allen Bundesländern in den Gesetzen des Justizvollzugs verankert. „Damit stehen wir im Widerspruch zu Europäischen Strafvollzugsgrundsätzen. Dies macht deutlich, wie viel Überzeugungsarbeit und tatkräftige Hilfe in Kooperation mit den verantwortlichen Anstalten noch zu leisten ist“ so Gerhard Peschers.

 

Ehrenmitglieder Günter Kunert und Jiří Gruša

 

Ehrenmitglieder ist der Schriftsteller Gunter Kunert und war der 2010 verstorbene Jiří Gruša, der für die Veröffentlichung seiner literarischen Arbeit in der Tschechoslowakei verfolgt und inhaftiert wurde. Gruša war in der „samtenen Revolution“ Weggefährte von Vaclav Havel und später Botschafter Tschechiens in Deutschland und bis November 2009 Präsident des internationalen PEN.

 

Frankfurter Buchmesse 2010 und Leipziger Buchmesse 2013

 

Der Verein bot in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse 2010 mehrere Veranstaltungen an: 
- erste bundesweite Tagung zum Thema Gefangenenbüchereien,
- Ausstellung "LIBERTREE - Bücherbäume überbrücken Mauern" im internationalen Bibliothekszentrum,
- internationale Präsentation von Gefangenenbüchereien mit Beispielen aus Argentinien (Bibliothecas Aibertas), Nicaragua (Bücherbus für Gefangene), Deutschland (JVA Münster)
- Manga-Zeichenworkshop zum Traum vom Bücherbaum auf der Gefängnismauer

Auf der Leipziger Buchmesse 2013 bot der Verein die zweite bundesweite Tagung zum Thema Gefangenenbüchereien mit Statements von Vereinsmitgliedern aus mehreren Bundesländern an.

Förderverein Gefangenenbüchereien e.V. | JVA Münster | Gartenstraße 26 | 48147 Münster | Tel.: 0251 2374-0 | E-Mail: kontaktfvgbde